Wolfgang R.E. Scheerle

In Stuttgart geboren,

lebt und arbeitet

in Thüringen und Bonn

Education

Otmar Alt
Harald Reiner Gratz
Bernd Scheid

Ausstellungen

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ART SYLT
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3 A Excellence of Art Le Morne / Mauritius
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Kulfturfabrik Langewiesen
CCS Galerei Suhl
Kunsthaus am Markt Schmalkalden
Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden

Wie entsteht ein echter SCHEERLE

Meine Bilder entstehen, ohne dass ich eine konkrete Vorstellung in meinem Kopf oder vor meinem geistigen Auge habe. Jedes einzelne Bild ist so gesehen ein emotionales und handwerkliches Zufallsprodukt und ich lasse mich selbst vom Ergebnis überraschen. Wenn das Malen wie von selbst von der Hand geht, ist es für mich jedes Mal ein absolut beglückendes Gefühl. Aber nicht jedes Bild übersteht die kritische Betrachtung am nächsten Tag, in der darauffolgenden Woche oder einen Monat später.

So unterschiedlich die Bilder auch ausfallen, sind mir bei allen Werken neben Kontrasten, eine gewisse Dynamik und vor allem die Farbharmonie besonders wichtig. Dafür arbeite ich mit klaren, freundlichen und leuchtenden Farben. Diese Farbkomponenten symbolisieren meine Grundeinstellung und sind Ausdruck meiner Lebensphilosophie. Beim Betrachter möchte ich in erster Linie positive Emotionen wecken und wenn möglich ein Strahlen auf dessen Gesicht zaubern. Farbe kann sehr viel bewirken, besitzt unendlich mannigfaltige Nuancen und Ausdrucksmöglichkeiten.

Meine Bilder wachsen und entstehen, in dem ich immer wieder neue Farbschichten übereinanderlege oder mit den vorhandenen Schichten vermische.

Die Spachtelmalerei ermöglicht mir zufällige Verlaufsformen von Farben und Ritzungen während des gesamten Schaffensprozesses zu kreieren. Farben und Formen bleiben dabei im Fluss und das Bild erhält eine reliefartige Tiefe und Körperlichkeit.

Die meisten meiner Werke werden zusätzlich in Kunstharz vergossen. Eine ca. 3 mm starke Deckschicht legt sich über das gesamte Bild und umschließt die Acrylfarben auf der Leinwand komplett. Das Kunstharz verleiht der Bildoberfläche eine einzigartige Brilliance. Die vergossenen Bilder erlangen eine unverkennbare Oberflächenstruktur mit plastischer und dynamischer Ausstrahlung. Durch das Kunstharz entsteht zusätzlich ein Lupeneffekt, der tiefer liegende Schichten und Motive näher an die Oberfläche bringt. Dadurch eröffnet sich zusätzlicher Spielraum für Interpretationen und der Fantasie jedes Betrachters sind somit keine Grenzen gesetzt.

Selbst ich entdecke bei meinen Bildern immer wieder andere Motive und meine Gedanken gehen mit mir jedes Mal auf eine neue und spannende Reise.

Wolfgang R.E. Scheerle

Harald Reiner Gratz über Wolfgang R. E. Scheerle

Wolfgang Scheerle ist ein Phänomen, getrieben, wie es scheint, von einem inneren Kompass, einem Kompass der ihn magisch führt in das Reich der Kunst.
Das geschieht in einem rasanten Tempo, atemberaubend und doch, nach genauer Analyse, folgerichtig, zwangsläufig.
WS malt Bilder.

Das tut er so ungezwungen und frech, da frühstückt er ohne Bedenken bei den Großen der Kunst, er montiert, kopiert, idealisiert und irritiert, dreimal Schwarzer Kater und heraus kommt – ein Scheerle!
Das macht Freude das zu sehen, immer wieder.

Er probiert aus, er erreicht und verlässt, er versucht sich an Sujets, von denen man sagen würde, o nein, und dann, ja dann freut man sich an Ergebnissen, die man nicht erwartet hätte.
Ein Freibeuter, einer der freundlichen Art – humorvoll, klug und hinter- sinnig, ja und schräg- wenn das Wort passt, dann auf ihn.
Er konterkariert den Kunstbetrieb, in dem er ihn ernst nimmt, er will da hin, gleichzeitig ist er so frei und unbefangen in seinen Produkten, gibt dem Mainstream unbewusst einen Korb und der Betrachter freut sich diebisch, was ist denn das für einer, schön!

Er liebt die Farbe – sie ist sein Medium.

Ob er abstrakt, radikal, gestisch, konstruktiv, poppig oder informell mit ihr umgeht, es ist egal, sie feiert in ihrer Reinheit und hintersinnigen Unschuld fröhliche Urständ, immer wieder.
Farbe!

WS ist unterwegs, dekorierend, abstrahierend, provozierend, aber eins tut er uns nicht an, er langweilt uns nicht, dafür Dank – und wenn er es einmal zu bunt treibt, na dann sollten wir uns erinnern, wie viele Miesepeter die Kunst aushalten muss, wie viele Kassandras und Gurus der Zeitgeister, da sollte uns doch ein Gaukler der Sinne mit seinem so herrlich freien Gemüt gerade recht sein, einer der uns zeigt, dass viele Wege schließlich doch nach Rom führen.
In diesem Sinne und auf diesem Weg, mit bunter Mütze und Mal- und Wanderstock, Handy und Navi, komm da an, wo es dir gefällt, du herrlich Unzeitgemäßer und gib uns Bild von deiner Erfahrung, wo immer
du sie findest – sei behütet!

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Der Pinguin

Nein, er fühlte sich ganz und gar nicht gut. Wo waren denn die endlosen Schneefelder, die Massen von Verwandten, das Schnattern und Stolzieren, das Schubsen und die endlosen Schwimmpartien im eiskalten Wasser des Meeres seiner Heimat –wo war all das , was ihm Leben bedeutete?
Es gab es nicht mehr für ihn, war einfach weg.
Ja, er wurde gefüttert, mehrmals am Tag, auch wenn der Fisch nicht immer ganz frisch war, aber nun ja.
Und sicher, die paar Verwandten, die dort lustlos im Betonbecken schwammen, gab es ja auch noch, geschnattert wurde genug, aber hinter all dem, was er sah, war ein Zaun.
Ein Maschendrahtzaun.
Durchsichtig zwar, luftig, wenn man so wollte, aber es war ein Zaun und er war gefangen.
Wenn er doch fliegen könnte, doch das konnte er nicht, er konnte watscheln und schwimmen und…aber er konnte sehen, konnte beobachten.
Hier. Im Zoo.
Die Kinder, die Erwachsenen, all die, die neugierig über den Zaun sahen, all die, die lachten, manche lustig, manche hämisch, weil er und seine Leute halt so waren, wie sie waren, weil sie watschelten, manchmal umher kugelten, weil ihr Gefieder aussah wie ein Frack , ja, ja alles ganz lustig.
Aber da, da war er wieder einmal, dieser Mann mit den neugierigen Augen, der, der immer so komische Sachen machte.
Sicher, diese Blitze aus den Kästen, die die Menschen in der Hand hielten, die kannte er schon, und wie sie sich freuten, wenn sie hineinsahen. Fotos, sagten sie.
Das machte der Mann manchmal auch, aber er tat auch noch Anderes.

Er hatte ein Buch und einen Stift, und er zeichnete und krakelte in dem Buch herum, ganz
konzentriert und immer wieder sah er her zu ihm, ihm dem Gefangenen, der so lustig war, haha.
Was machte der Mann da, was sollte das ?
Wollte er ihn neu erfinden, ihn, den Pinguin, aus der Welt genommen, geschützt, gefangen, zur Freude der Menschen und vor allem für ihr gutes Gewissen?
Neu erfinden, um lustige Bildchen von ihm zu malen -gab es da eigentlich Geld dafür, für so was, Geld, für das die Menschen doch fast alles machten.

Jetzt hatte er genug, ich geh schwimmen, dachte er, soll der doch ruhig machen, was er will- ich würde so gerne die Welt sehen, meine Welt, und ich sehe Besucher hinter Maschendraht, herzlichen Dank und watschel und spring und platsch!

Na, jetzt schwimmt er wieder, dachte der Zeichner, für heute ist es auch genug.
Und er dachte an Paris, an New York, an Berlin, all die Orte in die er den Pinguin, seinen Pinguin schicken würde, allein, zu zweit, zu vielen, er liebte diesen Gesellen, und er wusste nicht warum.
Aber das musste er auch nicht, wichtig war, dass es so war.
Ihn zu zeichnen machte ihm Freude, es war so selbstverständlich für ihn.
So leicht- wie Liebe, wenn sie jung ist.
Manchmal fühlte er sich diesem kleinen Kerlchen verwandt, manchmal in seinen Tagträumen oder wenn er malte hatte er fast das Gefühl, das wäre er selber, mal allein und traurig und dann wieder froh, fast ausgelassen.
Und er wollte nicht eingesperrt sein, nicht hinter diesem Drahtzaun sitzen und dann und wann in diesem scheußlichen Betonbecken schwimmen, nein, auf gar keinen Fall wollte er das.
Er wollte die Welt sehen, sie schmecken, riechen, fühlen.

Sein Pinguin, der konnte das nicht.

Nicht in der so genannten realen Welt- aber da gab es noch eine andere Realität, vielleicht realer sogar als der Zaun.
Es gab Bilder, es gab Fantasie.
Und in seinen Bildern würde es einen Helden geben- diesen kleinen Pinguin- Frei und stolz, klein und verletzlich, vorlaut und ein Träumer.
Er würde durch die Metropolen dieser Welt ziehen von Moskau nach Shanghai und er würde frei sein.
Frei, wie es weder der Pinguin in seinem Zoo noch Wolfgang Scheerle in seiner Menschenhaut je sein würde.
Aber beiden würde es egal sein können, denn im Zauberland der Fantasie waren sie Verbündete, Freunde auf dem Weg durch das Zauberland der Malerei.

Und das war gut so, für beide.

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